06 November 2009

Zwischenbericht


Zwischenbericht

In einem Dunst aus Blau und Grau,
zieht es mich verlassen in meinen Bau.
Die Wespen schlafen nachts,
keine sticht mich heut’ mehr wach.

Ein Heer voller Hyänen
Lechzte an meinem Meer voll Tränen.
Gleißend ragt der Halbmond als Gerippe,
die Welt ist infiziert mit der Neuen Grippe.

Einige klägliche Seelen fluteten mein Herz,
hinterlassen einen brennenden Schmerz.
Ihnen sei möglichst noch vergeben,
bevor Gott beschließt, sie fortzunehmen.



Peter Bohn

11 Oktober 2009

Du und ich




Du und ich

Besungen
bin ich in die Welt gesprungen.

Versunken
habe ich mich an deine Nähe gewunden.

Umschlungen
hatte ich bei Dir Vergessen gefunden.

Betrunken
habe ich mich an Dich gebunden.

Verschwunden
zähl ich noch die Stunden.

Geschunden
hatte ich um meine Heimat gerungen.

In Wunden
ist dieses Gedicht erklungen.

Peter Bohn

13 September 2009

Gelesen


Gelesen

Proust schrieb eine Geschichte,
Und Schiller huldigte das Jugendliche.
Goethe besang mir eine Liebe,
Durch Rimbaud erwachten noch Lebenstriebe.

Dank Rilke erklang eine wundervolle Melodie,
An Heine erwuchs mir eine Phantasie.
Und als Lasker-Schüler erhob die Stimme,
Trug es mich zu wahrem Märchensinne.

Aber sie alle und auch Benn sind gestorben,
Trakl im Krieg an einer Überdosis Kokain.
Stadler wurde bei Ypern geborgen,
Ehrenstein siechte hirnkrank qualvoll dahin.

Wer vermag daran zu rühren,
das Unvergessliche in andere Zeiten zu überführen?
Es bleibt am Ende nur ein Komplott,
die Zeit zu schmieden zum eigenen Schafott.

Peter Bohn


06 September 2009

Dass Du


Sonnenuntergang über dem Yangtse





für Friedel und Tante Karla



Dass Du

Dass Du musst sterben,
will mich die Ungetreuen in Kerker pferchen.

Dass Du musst sterben,
will mich die Kriegstreiber aus der Macht entfernen.

Dass Du musst sterben,
will mich Deine Seele im Diesseits bergen.

Dass Du musst sterben,
will mich sie alle kitten, Deine Lebensscherben.

Dass Du musst sterben,
will mich vorm höchsten Gericht ein Gnadengesuch für Dich erwerben.

Dass Du Dich musst mit dem Ende vereinen,
will mir so unfassbar erscheinen.

Ich erfahr‘ mein Leben durch Euch, ihr Weggefährten und Bücher
Und bleib doch immer nur ein Schüler.




Peter Bohn

02 September 2009

Engel II



> Engel II
>
> Engel, Liebes, bald ist es vorbei,
> wir treiben in einen endendem Allerlei.
>
> Ach, all die Lehren aller Leeren,
> Können wir rückblickend gern entbehren.
>
> Die Gefühle, die ich für Dich fand,
> Gründen sich noch auf beständigem Unterland.
>
> Die Sorge, die ich für Dich band,
> ist noch von dauerhaften Bestand.
>
> Doch das Leben, das uns bislang zustand,
> Wirkt so nichtig, falsch und krank.
>
> All die Erwartungen, die Träume, die hehren,
>Sinken unabänderlich in ein Heer aus ein Speeren.
>
> Engel, Liebes, bald scheint es vorbei,
> wir werden zu einem endenden Allerlei.


>Aug.2009
> Peter Bohn

23 August 2009

Fort




Fort


Fühlst Du denn kein’?
Ich fühl’ mich klein.
Ganz allein,
fühl ich fein
die unendliche Pein.
Bei Dir verweil’n
weckte jedoch einen Sinn im Sein.





Peter Bohn

06 Juli 2009

Um mit dir zu schweigen


Um mit dir zu schweigen (Du bist gestorben)



Abgeschrieben
Halt ich mich an dieses Blatt.
Aufgerieben
Sinke ich ins ausweglose Patt.

Sterben möcht’ ich, sterben
In unnahbarer Nacht verderben.
Schuld und Scham heißt mich irren,
Fesselt mich in Wirren.

Du hast mich verlassen,
Mich unbarmherzig zurückgelassen.
Unsere Zweisamkeit zerrann,
als dein Wesenskern zersprang.

Dich heute zu besingen,
Noch einmal zu Dir dringen,
Ist alleinig Sinn der Zeilen,
Die nunmehr mit Dir schweigen.

Peter Bohn

16 Juni 2009

Es regnet


Es regnet


Regenlachen tanzen durch die Blässe,
zerren Städte und Menschen durch die Nässe.
Spiegel ihrer vorübergehenden Gesichter
Flackern auf als fassungslose Lichter.

Ein Sonnenstrahl mag sich hierein wagen,
den Widerschein des Trübenden ertragen.
Gewitterfronten verdunkeln bald den Blick,
und Antlitze ziehen sich verhängnisvoll zurück.

In dieses Schauspiel bis auf Bergeshöh’n
taucht ein Wind und wallt zu einem Fön.
Schmerzen, Wut und Trauer weilt in diesen Seen
und haucht sich aus wie aus Verseh'n.



Peter Bohn



24 Mai 2009

Erinnerung


Für Vira


Erinnerung


Jede Sekunde wollte ich mit Dir erleben,
Jeglichem Gleichmut entgegentreten,
Keinen Augenblick in Deiner Zuversicht verfehlen,
Doch Du bist aus meinem Leben getreten.

Die Erinnerung an Dich hält fest,
Was sich nicht mehr leugnen lässt.
Du hast mich verlassen,
Mich in meinen Niederungen zurückgelassen.

Jugend sprühte aus meinen Sehnen,
Erfüllung erfuhren wir in unserem gemeinsamen Erleben.
Doch Dein Herz blieb nicht auf ewig mein.
Das Glück ließ sich nur ungefähr auf mich ein.

Peter Bohn

08 Mai 2009

Donau




Donau

Die Donau strömt ruhig und stetig,
die Nacht ist still und ewig.
Fern dem immerwährenden Treiben,
bricht eine Seele aus dem Schweigen.

Ein Gruß den Lieben,
die daheim zurückgeblieben,
die sich im Trott mühen und plagen,
Ihr innigstes Sternengold vertagen.

Ein Schlepper ohne Ladung auf der Fahrt,
rudert gegen die Strömung stumm und hart.
Für Momente frei in Sturz und Fall
Ist alles nur noch Rauch und Schall.





Mai 2009

Peter Bohn





28 April 2009

Lass' mich



Für Antje H.

Lass ' mich


Lass' mich kurze, stolze schritte tun,
eh' es mich getrost hinüberschwemmt.
Lass mein reißend Elend etwas ruh' n,
bevor mein Schicksal letzte Hoffnung tränkt.

Lass' mich Gegensätze in neue Formen binden,
Lass' mich tausend Einigungen erwerben.
Lass' mich in Dir Erlösung finden,
Lass' mich, lass' mich, lass' mich sterben.


Peter Bohn 1990

14 März 2009

Zwischenstück

Für Schneewittchen
Zwischenstück



Oh Paradieseshelle,

Lass mich bald an Deine Seite.

In der Sonnengrelle

Hoff' ich, dass ich mich nicht übereile.


Ich habe mich verrannt

In deine Weise.

Erwartungsvoll und unerkann

Gehe ich auf eine neue Reise.


Süßer Schmerz!

Wie viel Glück muss zerspringen

Um mich einzulassen in dein Herz?

Wieviel Missgeschick dem Aug' entrinnen!


Vergangenes liegt doch fern

Und Zukunft steht an jedem Gleise.

Hoffnung bewohnt auch den letzten Kern

Und zieht mich fester an deine Kreise.





Peter Bohn
2009

25 Februar 2009

Der Tag nimmt sein Ende


Der Tag nimmt sein Ende


Hoffnungsvoll begab ich mich in seine Hände,

Erfuhr Freud und Leid an seiner Tränke

Und gab ihm meine Spende.


Dieser kurze Abschnitt aus der Zeit,

Die uns Sterblichen zugeteilt

Bestimmt unvorhergesehen meine Wirklichkeit

Und offenbart mir meine Endlichkeit.


Will Gottes Gnade mich ersehen

Und mir weiteres, neues Leben geben.

So bleibe der künftige Tag mir eingedenk

Und entfalte sich als einzigartiges Geschenk.


Peter Bohn
2008

27 Januar 2009

Diese Bürde


Diese Bürde


Oh Tod, oh Not, oh Schicksalssog, -
Meine Zuversicht, die mich belog,
meine Hoffnung, die so unbedarft entflog,
Gedanken in ungekannte Abgründe zog.

Mein Vertrauen, das ich einst erhob
Und gegen die Erschwernisse des Lebens bot. -
Schuldvoll, ich, der ohne Halt und ohne Lot,
Einem Flattern gleich, getroffen auseinander stob.

Ohnmacht! Nacht! Wie es mich hinunterzog! -
Dieses Unheil, das sich zudem der Willenskraft entzog.
Ein Machwerk wie von einem Schlagetot.
Mutter, sag, wer war’s, der dies gebot!


Peter Bohn

15 Januar 2009

Höre Israel



Höre, Israel


Als wir verfolgt wurden
war ich einer von euch
Wie kann ich das bleiben
wenn ihr Verfolger werdet?

Eure Sehnsucht war
wie die anderen Völker zu werden
die euch mordeten
Nun seid ihr geworden wie sie

Ihr habt überlebt
die zu euch grausam waren
Lebt ihre Grausamkeit
in euch jetzt weiter?

Den Geschlagenen habt ihr befohlen:
"Zieht eure Schuhe aus"
Wie den Sündenbock habt ihr sie
in die Wüste getrieben

in die große Moschee des Todes
deren Sandalen Sand sind
doch sie nahmen die Sünde nicht an
die ihr ihnen auflegen wolltet

Der Eindruck der nackten Füße
im Wüstensand
überdauert die Spur
eurer Bomben und Panzer.


Erich Fried

13 Januar 2009

Gerissen

Für Vira


Gerissen


In Kissen

Deinen Körper vermissen,

verschlissen,

in befremdlichen Erlebensgenüssen

Deine Tröstungen missen,

hat mich da nieder geschmissen.

In diesen Hindernissen

vorzueilen, um enden zu müssen,

Dich in Kümmernissen,

nicht an meiner Seite zu wissen,

hat beflissen

mein Herz zerrissen.

In Bedrängnissen

weiter Flagge zu hissen,

Dich in Zerwürfnissen,

letztlich durch Einsicht ersetzen zu müssen,

hat in Betrübnissen

mich von Dir losgerissen.



Peter Bohn




31 Dezember 2008

Liebes Gedicht




Liebes Gedicht


Wir gehen Hand in Hand
in ein fernes, unbekanntes Land.
Wir betreten in Andacht
Umschlungen die Eintracht.

Wir schenken der Sonne den Segen
und vereiteln dem Mond seinen Regen.
Wir tauchen in Meeresfluten
und stranden in Feuersgluten.

Wir treffen uns schweigsam am Strand,
werfen uns an Kristallen im Sand.
Ein kühler Wind weht über den Seen
und wir lernen uns kennen, um zu besteh’n.




Peter Bohn

Meine Seele




Meine Seele


Unersetzlich,
sehr zerbrechlich,
Unaussprechlich,
eigenmächtig.

Du brauchst Dich nicht zu fürchten,
das Schicksal wird mich stürzen.

Ich lass’ Dich nicht allein,
nicht in Gedanken, nicht im Sterben, nicht im Sein.

Gehst du fort, geh ich hin,
Gehst du, verliere ich das Werden, das ich bin.

Ich halte Dir bereit,
meinen Glauben, mein Streben, meine Untertänigkeit.


Peter Bohn
2003

23 Dezember 2008

Duft



Duft



Dieser Duft!

Von welchen Blüten bist Du? -

Der Frühling wird,

um dich zu riechen,

ungeduldig.


Sasan Vartavan

20 Dezember 2008

Betrübt




Betrübt

Ich entzweite die Brust
Und suchte den Traum.

Ich erfüllte die Lust
Und blieb ohne Raum.

Ich brach ohne Grund
Und fügte mich zahm.

Ich erblickte den Abgrund
Und diente dem Wahn.

Ich fand jene Stiege
Und erstand mir die Not.

Ich besang Deine Liebe
und sah ihren Tod.

Meine Liebe, mein Engel, meine Fee,
die Leere drängt mich, so dass ich geh’.


Peter Bohn 2003